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ADEVA Akademische
Druck- u. Verlagsanstalt Graz/Austria |
Vom Reprint zum Faksimile Alles begann im Jahre 1949 mit einer kleinen
Offsetmaschine, die der gelernte Schriftsetzer und Absolvent der Studienrichtung
Welthandel Dr. Paul Struzl günstig erworben hatte. In einem Palais der
steirischen Landeshauptstadt Graz war die Maschine aufgestellt worden.
Es wurden nicht nur alle erdenklichen Drucksorten produziert, sondern
auch eine Idee umgesetzt, die damals geboren wurde: Viele Bibliotheksbestände
waren im Krieg zerstört worden, und die öffentliche Hand begann gerade
wieder, -ihren wissenschaftlichen Instituten bescheidene Ankäufe zu
ermöglichen. Nachdrucke waren also gefragt. Sich seiner Fähigkeiten
und der "human resources" um sich herum bewußt, war der Verleger von
Anfang an darauf bedacht, sich nur mit jenen Disziplinen zu beschäftigen,
in denen er seine Kompetenz beweisen konnte: Theologie, Rechtsgeschichte,
Philosophie, Kunstgeschichte, letztendlich alles subsumierbar unter
dem Begriff Geisteswissenschaften. Hohe Qualität bei Druck und Bindung steht im Vordergrund Das Offsetverfahren imponierte dem Firmengründer
nicht nur als einfaches, rasches Verfahren für Nachdrucke, sondern auch
weil diese Flachdrucktechnik einen ganz entscheidenden Vorteil besaß:
Die -Kosten für die Druckformen waren im Vergleich zu allen anderen
Druckformen außerordentlich günstig. Es galt also nur, den Hebel bei
den Druckformen anzusetzen, um aus einem für billige Massenproduktion
gedachten Verfahren eine Qualitätstechnik zu entwickeln. Denn schon
bei Reprints wollte sich die Akademische Druck- u. Verlagsanstalt von
Anbeginn durch Druck-, aber auch durch Bindequalität, von anderen Unternehmen
unterscheiden. Um dies zu erreichen, wurden Druckplatten nicht zugekauft,
sondern selbst gefertigt, und die erzielten Resultate verhalfen dem
Unternehmen sehr früh zu einer exzellenten Reputation bei Bibliotheken
und Instituten auf der ganzen Welt. Dazu kam, daß sich der Verlag auch
bei der Bindetechnik nicht auf Dritte verlassen wollte, sondern ordentliche
Bibliotheksbände im eigenen Haus konfektionierte. Weltweite Zusammenarbeit mit Bibliotheken Die Freundschaft mit Bibliothekaren aus aller Welt, besonders aber aus Österreich, Italien und dem Vatikan, mag mitbestimmend dafür gewesen sein, daß Dr. Paul Struzl von Beginn an sein Interesse für das handschriftlich überlieferte Buchgut pflegte und in dessen Dokumentation ein weiteres Standbein für seine verlegerische Tätigkeit sah. Er erkannte auch, daß die Publikation von Nachdrucken nur beschränkte Zeit von Bedeutung sein konnte, wie es ja die Geschichte der Verlage, die in diesem Bereich seit dem Zweiten Weltkrieg tätig waren, bewiesen hat. Bei all seinen Überlegungen konnte der Verlagsgründer auf eine sehr österreichische Tradition zurückgreifen. In kaum einem anderen Land Europas wurde schon so früh damit begonnen, die wichtigsten handschriftlichen Zeugen der Vergangenheit durch photographische Dokumentation zu bewahren und zu erschließen. Im besonderen Ausmaß sei dabei auf das ,,Jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses" verwiesen (als Nachdruck auch im Programm der Akademischen Druck- u. Verlagsanstalt), in dem in vorbildlicher Weise photographische Dokumentationen der kaiserlichen Handschriften vorgelegt wurden. Diese Tradition setzte sich auch in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, insbesondere durch die Arbeit der Österreichischen Staatsdruckerei und der Kunstanstalt Max Jaffé, fort. Das erste Faksimile der ADEVA Bereits 1953 entstand in den Werkstätten der
ADEVA - so die sich bald einbürgernde Kurzform für das Unternehmen -
die Faksimile-Ausgabe der berühmten Kaiserchronik des Stiftes Vorau.
Seitdem wurden auf diesem ganz speziellen Gebiet der Buchherstellung
Erfahrungen gesammelt. 1958 erschien der zweite wichtige Teil der Vorauer
Handschrift, nämlich jener mit den deutschen Gedichten, und 1960 begründete
Paul Struzl mit dem ,,Sacramentarium Leonianum" aus Verona die Reihe
,,Codices Selecti". Daß daraus innerhalb weniger Jahrzehnte die größte
Faksimilereihe der Welt entstehen würde, war zu diesem Zeitpunkt noch
nicht vorauszusehen. Der Reprint-Markt gab dem Verleger die finanzielle
Möglichkeit zum Experimentieren. Jetzt galt es, die wissenschaftliche
Welt davon zu überzeugen, daß das Offsetverfahren auch auf dem Farbdrucksektor
ein echtes Qualitätsverfahren sein konnte. Ausweitung der Produktion auf Schriften fremder Kulturen Zwei Prinzipien ermöglichten es dem Verlagsgründer,
sehr rasch ein umfangreiches Faksimile-Programm aufzubauen. Die Arbeit
des Bewahrens und Erschließens durfte sich für ihn nicht auf regionale
Bestände beschränken, und sie durfte nicht eingeengt sein durch den
Verzicht auf die Schriftdokumente anderer Kulturen. Paul Struzl sah
seine Chance darin, das Menschheitspatrimonium der Schriftkultur mit
seinen technischen Möglichkeiten zu vervielfältigen und weltweit zu
verbreiten. ,,Monumenta Scriptorum" übertitelte er seine Dokumentationsarbeit,
in die er auch die prähistorischen Felsbilder als Unikate und Vorformen
der Schriftlichkeit miteinbezog. Die Felsbilder von Pech Merle in Frankreich
oder des Ndedema-Tals in Südafrika waren ihm genauso wichtig wie die
Faltbücher des vorkolumbischen Mexiko, die Wandmalereien im Grab der
Nofretari oder die Briefe Alkuins. Wertfreies Dokumentieren empfand
er als seinen Auftrag. Nicht jede Handschrift wird faksimiliert Im Einklang mit den strengen Normen der Faksimilierung standen auch die Kriterien der Auswahl der Dokumente. Bei der Akademischen Druck- u. Verlagsanstalt entscheidet auch heute noch die wissenschaftliche Bedeutung einer Handschrift darüber, ob ein Codex in die Reihe ,,Codic Selecti" aufgenommen werden kann. Nicht die Anmut oder der Bekanntheitsgrad eines Buches geben den Ausschlag, sondern die Notwendigkeit des Zugangs. An einem besonders spektakulären Beispiel sei dies erläutert. Mit Ausnahme einiger ausgewählter Fachleute war die älteste deutsche Prachthandschrift der Bibel, die ,"Wenzelsbibel" aus dem Besitz der Österreichischen Nationalbibliothek, so gut wie niemandem bekannt. Es bedurfte zunächst einer zehnjährigen Aufbauarbeit des Verlages, um diesen einmaligen Zeugen europäischer Kultur, dieses deutsche Sprachdenkmal und dieses künstlerische Unikat soweit bekannt zu machen, daß seine Dokumentation als Faksimile-Ausgabe überhaupt möglich wurde. Heute ist die ,"Wenzelsbibel" - übrigens das größte jemals realisierte Projekt dieser Art - als bedeutendstes Kunstwerk Prags in aller Munde, eine Handschrift ist nach ihrer Faksimilierung zum Begriff geworden. Als Band LXX/1-9 erschien auch diese Handschrift innerhalb der Reihe ,,Codices Selecti", deren hundertster Band das ,,Berthold-Sakramentar" aus der Pierpont Morgan Library war. Hundertundfünfter Band der Reihe und zugleich die 120. Faksimile-Ausgabe aus dem Hause ADEVA ist der "Codex Etschmiadzin", eine für die kunstgeschichtliche Entwicklung der Ostkirche ungemein bedeutsame Handschrift, dem als Einband zwei fünfteilige Elfenbeintafeln aus dem 6. Jahrhundert dienen. Auch er ist nur für ausgewählte Forscher zugänglich; zudem darf diese als Nationalheiligtum verehrte Handschrift Armenien nicht verlassen. Die Vielfalt des Programms Kein Verlag hat mit solcher Kontinuität und in solchem Umfang Handschriften durch deren Faksimilierung erschlossen. Mehr als 50 Bibliotheken - darunter auch die Russische Nationalbibliothek in St. Petersburg, mit der die ADEVA zu Beginn der 90er Jahre als erster Verlag aus dem Westen zusammenarbeiten durfte - und Museen aus 20 Ländern haben mit der ADEVA als einer Grazer Institution zusammengearbeitet, um ihre Bestände in einer allen Ansprüchen gerecht werdenden Form zugänglich zu machen und gleichzeitig vor unnötiger Benützung zu schützen. Im Katalog der ADEVA sind vor-kolumbische mexikanische Codices genauso vertreten wie Moghul-Handschriften, Meisterwerke arabischer Kalligraphie, byzantinische Purpurcodices und Buchrollen, Handschriften jüdischer Provenienz oder eben die handschriftlichen Buchzeugen der abendländischen Kultur. Ebenso erhältlich sind aber auch faksimilierte Blätter großer Künstler der Moderne, wie Paul Klee, Oskar Kokoschka oder Gustav Klimt, deren Originale sich heute in Privatbesitz befinden. Die universelle Bibliothek aller Kulturen aus Graz macht es möglich, nach dem Goldenen Psalter Karls des Großen, dem Rosenroman für François Ier, nach dem Ingeborg-Psalter aus Chantilly, dem Ramsey-Psalter, dem Vergilius Vaticanus, dem Papyrus Ani Altägyptens oder dem Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. zu greifen, ohne die weite Reise in die großen -Bibliotheken der Welt unternehmen zu müssen. So ist ein österreichischer Verlag auch heute noch weltweit führend in der Herstellung perfekter Faksimile-Ausgaben. Das Musik-Programm der ADEVA Im Verlagsprogramm der ADEVA hat die Musikwissenschaft seit jeher eine dominante Rolle gespielt. Oberstes verlegerisches Ziel war immer, vergessenes oder gefährdetes Musikgut nachfolgenden Generationen wieder zugänglich zu machen bzw. zu bewahren. Besonders hervorzuheben ist die inzwischen auf 151 Bände angewachsene Serie "Denkmäler der Tonkunst in Österreich", die höchstes Ansehen in aller Welt genießt und ein äußerst umfangreiches Musikrepertoire vom 13. bis zum 19. Jahrhundert zugänglich macht. Johann Joseph Fux, der bedeutendste Barock-Komponist Österreichs, hinterließ ein auch gegenwärtig noch nicht exakt überschaubares musikalisches Werk, das nach und nach in der Edition "J. J. Fux - Sämtliche Werke" veröffentlicht wird. Bisher sind 29 stattliche Notenbände erschienen, darunter auch sein berühmtes theoretisches Werk Gradus ad Parnassum, nach dem noch heute an den wichtigsten Musiklehranstalten auf der ganzen Welt gelehrt wird. Auch das "musikalische" Buchprogramm der ADEVA hat seinen festen Platz in der Musikwelt eingenommen. Zum einen zählen dazu Reprints wesentlicher Quellenwerke, u.a. das 10bändige "Biographisch-bibliographische Quellenlexikon der Musik und Musikgelehrten bis zum 19. Jahrhundert" von Robert Eitner, das in keiner wichtigen Musikbibliothek fehlen darf, zum anderen Neupublikationen wie etwa das "Schubert-Lexikon" oder die herausragenden Bildbiographien über Vivaldi und Schubert, die älteste und heute wichtigste jazzwissenschaftliche Serie "Jazzforschung/Jazz Research" (bisher 30 Bände) oder die "Grazer musikwissenschaftlichen Arbeiten", deren kürzlich erschienener 11. Band sich ausführlich mit Milos Formans Film "Amadeus" auseinandersetzt. Die Faksimilierung berühmter Musikautographe Als weltgrößter und konkurrenzloser Faksimile-Spezialist
hat die ADEVA natürlich auch Faksimile-Ausgaben von wichtigen Musikhandschriften
hergestellt - und dies wie gewohnt in unerreichbarer Qualität. Auch
hier war immer das primäre Motiv für ihre Faksimilierung die Bewahrung
gefährdeter Kulturgüter. So sind etwa in der Faksimile-Ausgabe des "Beethoven-Violinkonzerts"
jene Passagen immer noch lesbar, die sich im Original inzwischen zu
verflüchtigen beginnen. Mozarts letztes Werk, das "Requiem", muß heute
nicht mehr als Original ausgestellt und dabei Gefahren - wie in Brüssel,
wo seinerzeit ein Besucher sich erdreistete, ein Stück von einer Notenseite
abzureißen - ausgesetzt werden, sondern man ersetzt es durch die Faksimile-Ausgabe.
Auch zwei Autographe von Joseph Haydn wurden durch Faksimilierung für
die Nachwelt "konserviert": Die Hymne "Gott! erhalte Franz den Kaiser"
zusammen mit dem Variationensatz aus dem "Kaiserquartett" und die Klaviersonate
in Es-DUR,Hob. XVI:49. Die ADEVA heute Nach dem viel zu frühen Tod des Verlagsgründers Dr. Paul Struzl im Jahre 1973 haben auch die späteren Verantwortlichen des Unternehmens einen Grundsatz nie außer acht gelassen: Faksimile-Ausgaben haben nur dann einen Sinn, wenn sie auch für das interessierte Publikum erreichbar sind. So ist die Preispolitik der ADEVA mit ihren Erstausgaben von Handschriften immer äußerst moderat geblieben. Und wenn das Objekt eine vollständige Faksimilierung nicht zuließ, haben sich alle Mitarbeiter in Graz immer bemüht, wenigstens andere Formen zu finden, um den Zugang zu den Handschriften zu ermöglichen. Zum Beispiel werden Auswahlbände angeboten oder, wie zuletzt bei der neuen Reihe ,,Glanzlichter der Buchkunst", Handschriften vollständig, aber in verkleinerter Form als hochqualitative Kunstbücher wiedergegeben. Die Erfahrung des größten Faksimile-Verlegers der Welt aus fast 60 Jahren macht sich das Expertenteam unter der Führung von Dr. Hubert Konrad auch für gut lesbare grundlegende Werke zur Geschichte des Buches, wie etwa die Reihe "Geschichte der Buchkultur", oder Prachtbildbände zu einzelnen Handschriften sowie verschiedenen Kulturen zunutze. Diese breite Palette, die sich im Gesamtprogramm widerspiegelt, macht die ADEVA zu einem der größten Kunst- und Wissenschaftsverlage.
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