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Die Bibel Ludwigs des Heiligen - Normal-Ausgabe

Paris, um 1230
Bibliografische Angaben
Auf Anfrage

Die prachtvolle Bibel Ludwigs IX., des Heiligen, führt auf Grund ihrer preziösen Ausführung seit Jahrhunderten den Titel „biblia rica“. Sie gelangte noch zu Lebzeiten des Königs (1226–70) als Geschenk nach Toledo, wo man aus unbekannten Gründen im 16. Jh. die letzten acht Folios – ein Quaternio nach fol. 190 des letzten Bandes der Toledaner Bibel – heraustrennte und in Leder band. Die vorliegende Faksimile-Ausgabe jener acht Blätter dient einerseits dem konservatorischen Zweck der Schonung des einzigartigen Originals, zum anderen eröffnet sie interessierten Gelehrten und Bibliophilen den Zugang zum Werk, auch wenn ihnen die Reise nach New York nicht möglich ist.
 

Text und Bild in einmaliger Harmonie

In der Anordnung der Themen folgte der mittelalterliche Verfasser eben jenem Prinzip des Bible-moralisée-Typus des frühen 13. Jh.s, dem zufolge Text und Bilder gleichermaßen zu gewichten sind: Bibeltext und Bibelkommentar, Bibelbild und Kommentarbild finden sich zugleich bereitgestellt. So wie jeder Textabschnitt mit einem Kommentar versehen ist, so wird auch jedes Bibelbild von einer zweiten, erläuternden und moralisierenden Illustration begleitet. 56 biblische Szenen zu ausgewählten Texten – die separierten Seiten bilden ja ein eigenständiges Manuskript, das einen Teil der Apokalypse des Johannes umfasst –, goldgrundierte, in leuchtenden Farben ausgeführte Miniaturen, die allesamt in Medaillons einkomponiert sind, schmücken die ersten 7 Blätter des New Yorker Quaternios.
 

Das berühmte Stifterbild

Für das letzte Folio wurde ein besonderes Bild vorgesehen. Die ganzseitige, verschwenderisch vergoldete Miniatur nimmt in zweifacher Hinsicht direkten Bezug auf diese Handschrift: Im Königspaar des obersten Registers können die Auftraggeberin und der vermutliche Adressat der Bibel: Bianca von Kastilien und ihr Sohn Ludwig der Heilige, vermutet werden; im unteren Register gibt ein Kleriker, wohl der „Ikonograph“ des Werkes, dem Schreiber die notwenigen Anweisungen. Dieses Bild kann gleichsam als „gemaltes Kolophon“ aufgefasst werden, in dem der Auftraggeberin wie auch – stellvertretend durch je eine Person – der theologischen Berater und der ausführenden Kalligraphen und Miniatoren gedacht wird.
Die Besitzgeschichte des Quaternios liegt weitgehend im Dunkeln. Im Jahre 1906 ging sie aus dem Besitz des Seigneur des Granges et de La Majorie an die Pierpont Morgan Library New York über, in deren Bestand sie unter der Signatur Ms M. 240 eingegliedert wurde.
 

Der Kommentar

Um den universalistischen Anspruch, der einer Bible moralisée zugrunde liegt, erklären zu können, ist eine Kommentierung aus theologischer und exegetischer, ebenso aber auch philologischer, ikonographischer und kunstgeschichtlicher Perspektive erforderlich. Diesen Anforderungen entsprechend, bietet der wissenschaftliche Kommentar der Faksimile-Ausgabe zunächst Transkription und Übersetzung von Text und Kommentar aus dem Lateinischen. Im Folgenden wird die Einordnung der Gesamtkomposition in die zeitgenössische Apokalypsenexegese versucht. Der kunsthistorische Kommentar stellt das New Yorker Fragment in einen Zusammenhang mit den anderen Bibles moralisées der Entstehungszeit der Bibel des heiligen Ludwig.