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Der Vergilius Vaticanus

Italien, 4. oder 5. Jh.
Bibliografische Angaben
Auf Anfrage

Der Vergilius Vaticanus ist das wichtigste erhaltene Beispiel eines illustrierten Buches der Antike und stellt zugleich eine der ältesten Überlieferungen von Vergils berühmtem Nationalepos Aeneis dar. Entstanden in Rom um 400 n. Chr., ist er zudem das älteste von insgesamt nur drei antiken Manuskripten mit illustrierter klassischer Literatur.
Besondere Wertschätzung genießt der Vergilius Vaticanus auf Grund seines reichen Buchschmucks. 50 Miniaturen begleiten den Text in anschaulicher Weise und machen die Handschrift so zu einem Prachtcodex von höchstem künstlerischen Anspruch. Die mit üppigen Farben aufgetragenen Illustrationen lassen in ihrem Stil die Parallelen zu den pompejanischen, nach griechischen Vorbildern geschaffenen Wandmalereien deutlich erkennen.
Auf den 76 erhaltenen Blättern enthält der Vergilius Vaticanus sowohl Fragmente der Georgica, eines Lehrgedichts vom Landbau, als auch solche der Aeneis und gilt als eine der direktesten und authenischsten Quellen der Vergil-Überlieferung. So ist uns mit diesem Codex eine wertvolle Luxusausgabe jenes Autors erhalten, der wie kaum ein anderer Dichter der Antike nachhaltig auf unsere Kultur gewirkt hat und durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder rezipiert wurde.


Ein einmaliges Zeugnis der spätrömischen Buchkunst

Das Skriptorium, in dem der Vergilius Vaticanus angefertigt wurde, beschäftigte hervorragende Fachleute. Der Hauptschreiber kopierte den gesamten Text und plante die Illustrationen, indem er an bestimmten Stellen des Textes Freiräume für sie aussparte. Seine Hand zeichnet sich durch eine elegante Version der CAPITALIS RUSTICA aus, einer Schrift, die für Prachtcodices jener Zeit verwendet wurde.
Die Miniaturen wurden von drei verschiedenen Malern eingefügt, wobei diese jeweils nach ikonographischen Vorlagen arbeiteten. Sie kopierten jedoch nicht nur diese Vorlagen, sondern ergänzten sie durch goldverzierte Rahmen, kunstvolle Landschaftsmalereien, Architekturen und andere Details. Die naturgetreuen Proportionen und die Lebendigkeit der Figuren beeindrucken den Betrachter ebenso wie die meisterhaft dargestellte Beziehung zwischen den einzelnen Figuren. Darin wird der klassische Stil augenscheinlich, wie er von den Wandmalereien Pompejis bekannt ist.
 

Eine der ältesten Vergilüberlieferungen

Der Vergilius Vaticanus beinhaltet in seinem gegenwärtigen Zustand Fragmente von zwei überaus beliebten Werken der römischen Antike. Von diesen Fragmenten ausgehend lässt sich der Originalumfang des Buches leicht rekonstruieren. Es hat – wie es zu der Zeit üblich war – alle kanonischen Werke Vergils enthalten, sodass der Gesamtumfang etwa 440 Blätter umfasst haben muss, auf denen ungefähr 280 Illustrationen den Text begleiteten. Das Buch stellte eine wertvolle Vergilausgabe dar, das, obwohl es vollständig illustriert war, dennoch ein handliches Format hatte.
Vergil war einer der meistgelesenen Autoren der Antike. Seine Georgica waren bereits vor seinem Tod im Jahre 19 v. Chr. als Schulbuch in Gebrauch, und seine Aeneis, die auf Geheiß des Kaisers Augustus entgegen seinen testamentarischen Anweisungen herausgegeben wurde, war sofort ein Bestseller.
Obwohl Vergil auch von Christen bewundert und sehr gerne gelesen wurde, ist der Auftraggeber des Vergilius Vaticanus sicherlich im Kreis heidnischer Aristokraten zu vermuten, die die alten Traditionen erhalten wollten. Er wurde für einen anspruchsvollen Sammler angefertigt, der die kunstvollen Bilder genießen konnte, während er die vertraute Lektüre las.
 

Der Kommentarband

Der wissenschaftliche Kommentar zum Vergilius Vaticanus wurde von David H. Wright verfasst. Er gibt eine allgemeine Einführung in die Handschrift und ihr Umfeld, beschreibt sie hinsichtlich ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung und analysiert den kodikologischen Befund.