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Das Reiner Musterbuch

Stift Rein bei Graz, 1. Hälfte des 13. Jh.
Bibliografische Angaben
Auf Anfrage

Musterbücher dienten Generationen mittelalterlicher Künstler als Vorbilder für ihre großen Werke. Das wohl schönste unter den Musterbüchern ist unser Reiner Musterbuch, benannt nach seinem Entstehungsort, dem Zisterzienserstift Rein bei Graz.
 

Das älteste Musterbuch

Auf 13 Blättern hat ein unbekannter Künstler Szenen aus dem täglichen Leben, Tierdarstellungen, eine Reihe von Initialalphabeten sowie Muster für Bodenfliesen und Glasfenster zusammengestellt. Der Codex stammt aus dem 13. Jahrhundert – somit stellt das Reiner Exemplar das älteste in solchem Umfang erhaltene Musterbuch der mittelalterlichen Kunst dar. Am Beginn des Vorlagebuches stehen 12 Szenen aus dem mittelalterlichen Alltagsleben. In prägnanten Genrebildern gelangen neben bäuerlicher Arbeit die verschiedenen Handwerkskünste, Jagd, Fischfang und Beschäftigungen in einem Kloster zur Darstellung.

Danach werden drei Alphabete zur Auswahl gestellt. Vom einfachen Majuskelalphabet führt der Weg zu Prachtinitialen, in deren lebensvollen Verschlingungen immer wieder geschickt Tiere verborgen sind. 48 existierende und fabelhafte Wesen, Pflanzen und auch Steine erscheinen danach. Komplizierte Bewegungsabläufe und Stellungen fallen vor allem bei den Vögeln auf. Sie könnten zur Verwendung in Initialen bestimmt gewesen sein. Gleiches gilt auch für die Blattstudien mit den viellappigen, stark eingerollten, Blüten- und Fruchtgebilde umschließenden Blättern. Den Abschluss des Musterbuches bilden prachtvolle Ornamente für Bodenfliesen und Glasfenster, deren Flechtwerke bereits in griechischen Mosaiken auftauchten.

Somit ist das Reiner Musterbuch ein prachtvoller Spiegel der mittelalterlichen Kunst und bringt uns dem Verständnis des Mittelalters näher.