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Das Mosaner Psalter-Fragment

Mitte des 12. Jh.
Bibliografische Angaben
Auf Anfrage

Das Mosaner Psalter-Fragment ist eine prachtvolle, reich mit Gold ausgestattete Handschrift, die einen Bilderzyklus mit Szenen aus dem Alten und Neuen Testament enthält. Bei diesem Fragment handelt es sich nach Meinung der Fachleute um die Einleitung zu einem Psalter, die in bildlichen Darstellungen die biblischen Szenen erzählt. Den einzelnen Bildern sind lediglich kurze thematische Angaben, sog. Tituli sowie vereinzelt Schriftbänder mit direkter Rede – ähnlich wie bei unseren modernen Comics – beigefügt.
Die großartigen Bilder wurden von unbekannten Meistern gestaltet und gelten als Glanzstücke der romanischen Buchmalerei. Das Zusammenwirken verschiedener Techniken – der Federzeichnung sowie der Deckfarbenmalerei – übt auf den Betrachter einen ganz besonderen Reiz aus. Die Miniaturen vermitteln mit ihren in satten Farben und leuchtendem Gold aufgetragenen Landschaften und Architekturen sowie mit den lebhaft bewegten Figuren in anschaulicher Weise das biblische Geschehen.
Dieses Fragment eines romanischen Bilderbibelzyklus ist theologisch-ikonographisch und stilgeschichtlich überaus bedeutsam. Einige Kompositionselemente in den Miniaturen lassen italienische spätantik-altchristliche Vorlagen vermuten, aber auch Einflüsse aus der karolingisch-ottonischen Tradition sind zu bemerken.


Die künstlerische Ausstattung

Von den insgesamt 29 ausgeführten Miniaturen sind 15 vollendet und 12 im halbfertigen Zustand. Die restlichen beiden Bilder sind Federzeichnungen, von denen einzelne Teile vergoldet worden sind und die ein eindrucksvolles Zeugnis darstellen, wie wunderbar und von welch feinem Ausdruck auch unausgeführte Federzeichnungen sein können. Außerdem vermitteln sie uns eine Vorstellung von der mittelalterlichen Buchproduktion. Denn augenscheinlich wurde das Gold nicht am Schluss aufgelegt oder aufgemalt, sondern unmittelbar nach der Zeichnung mit der Feder.
Bei der Ausführung eines so umfangreichen Zyklus ist zweifellos die Mitarbeit mehrerer Hände anzunehmen. Doch trotz der Verschiedenheit der Techniken, trotz der vielleicht von anderen Händen ausgeführten Kolorierungen und trotz der stilistischen Unterschiede in der Gestaltung von Details, wird die künstlerische Verantwortung bei einem individuellen Meister gelegen haben, der den Entwurf des Ganzen lieferte und in dessen Händen die Ausführung im Wesentlichen lag.
 

Ein wertvolles Fragment einer Bilderbibel

In diesem Fragment werden auf den Folios 1–6 Ereignisse aus dem Alten Testament illustriert, während auf den restlichen Folios (7–10) Szenen aus den Evangelien bildlich dargestellt sind. Die einzelnen Miniaturen werden durch plastisch gestaltete rote Rahmen begrenzt, wobei die Figuren oftmals aus diesen Rahmen heraustreten. Dadurch wird ihnen eine besondere Lebendigkeit verliehen.
Für die Forschung der Ikonographie ist dieses Psalter-Fragment von höchstem Wert, da in den Miniaturen ein für diese Zeit ungewöhnlicher ikonographischer Reichtum vor Augen tritt. Zudem ist diese Handschrift auch stilgeschichtlich überaus bedeutsam, weil hier ein geradezu klassisches Beispiel einer Beeinflussung aus der spätantiken Kunst vorliegt. Denn die Mehrzahl der Bilder geht auf römische Denkmäler des 5. Jh.s zurück. Nur in wenigen Fällen ist ein unmittelbares Eindringen rein östlicher, palästinensisch-syrischer oder byzantinischer Tradition festzustellen.
 

Der Kommentarband

Die Faksimile-Ausgabe des Mosaner Psalter-Fragments begleitet ein wissenschaftlicher Kommentar von Hanns Swarzenski. Darin gibt der Autor eine kunsthistorische Einführung in die Handschrift, wobei seine Erläuterungen mit Vergleichsabbildungen anschaulich illustriert sind.