Vorgeschichte des Jazz


Autor: Maximilian Hendler
ISBN: 978-3-201-01900-2
Erscheinungstermin: 2008

€ 39,90

Lieferbar
Ca. 336 Seiten, 17 x 24 cm, Broschur mit Schutzumschlag. (= Beiträge zur Jazzforschung/Studies in Jazz Research 13).


Die befremdlichen Züge, welche die Musik der Afroamerikaner für Weiße an sich hatte und immer noch hat, führten von Anbeginn zu einem bis heute weiterwirkenden Irrtum: Die afroamerikanische Musik kommt von den Schwarzen – die Schwarzen kommen aus Afrika – daher kommt die afroamerikanische Musik aus Afrika. Dass es sich bei dieser Schlussfolgerung um angewandte Rassenkunde handelt und nicht um Musikwissenschaft, ist bis heute kaum jemandem aufgefallen.

Die Jazzforscher, die alles, was nicht in der Musikästhetik der westlichen Hochkultur enthalten ist, nach Afrika verlegen wollen, ziehen ein Faktum nicht in Betracht: Der größte Teil der traditionellen afrikanischen Musik wurde zu religiösen und sozialen Anlässen gemacht, an denen Afrika extrem reich war und selbst heute noch immer ist.

Für die Afrikaner, die in die amerikanische Sklaverei gerieten, fielen diese Anlässe weg. Ihnen blieb nichts anderes übrig, als sich jener musikalischen Formen zu bedienen, die sie zunächst bei ihren weißen Besitzern und später auch beim weißen Proletariat zu hören bekamen. Ihre Rezeption dieser Musikformen bildet die Basis, aus der in den Jahrzehnten um 1900 der Jazz erwuchs.


INHALTSVERZEICHNIS

I.    EINLEITUNG
    Die Schwarzen kommen aus Afrika ...
II.    DER AUFBRUCH DER PORTUGIESEN
    Gil Eanes und die Folgen
    Die Taufe des Königs von Kongo
    Portugiesische Musik des 15. Jahrhunderts
III.    DAS BANJO
    Altformen des Banjos in Amerika
    Die Substitutionslauten entlang des portugiesischen Seeweges
        Qanbûs
        Ramkie
    Die Bespannung
    Die Etymologie des Namens »Banjo«
IV.    VON DER ALTEN IN DIE NEUE WELT
    Sklavenhaltergesellschaften
    Der transatlantische Sklavenhandel
    Schicksale der Sklaven in Amerika
    Die Maroons
    Die musikalischen Konsequenzen des Sklavenhandels
V.    DAS KURZPHRASENRESPONSORIUM
    Das KPR in Afrika und Amerika
    Sea Shanties
    Work Songs
    Die katholische Liturgie im Amerika
    Die Kanarier
VI.    DIE MUSIK IN LATEINAMERIKA
    Die europäische Besiedlung Nordamerikas
    Das spanische Erbe
    Die Modetänze Europas
    Die synkretistischen Kulte
    Die ersten lateinamerikanischen Tanzmoden
        Habanera
        Tango
VII.    DER ANTEIL FRANKREICHS
    Rollenpolyphonie
        Vereinigte Staaten
         Bahamas
        Französische Antillen und Surinam
        Madagaskar
        Rollenpolyphonie in Indonesien
    Zusammenfassung und Ausblick
VIII.    DIE MUSIK IN NORDAMERIKA
    Das anonyme Volksgut der Weißen
    Fife and Drum
    Die Musik der protestantischen Denominationen
    Spirituals und Gospels
    Die Iren in Nordamerika
IX.    DIE MINSTRELSY
    Geschichte der Minstrelsy
    Die Musik der Minstrelsy
    Die Erben der Minstrelsy
X.    DIE ERSTEN TANZMODEN AUS DEN USA
    Cakewalk
    Ragtime
    Die »Synkopen« von Cakewalk und Ragtime
    Zwei historische Beiträge zur Geschichte des Ragtime
XI.    BLUES
    Die Bluesformen und ihre Varianten (nach A. M. Dauer)
        Zwölfer-Blues
        Achter-Blues
        Sechzehner-Blues
        Zwanziger-Blues
        Vierundzwanziger-Blues
        Unsymmetrische Bluesformen
        Kombinierte Bluesformen
        Blues-Boogie
        Blues-Shout
        Blues-Ballade
        Blues-Gospel
        Talking-Blues
        Spoken-Blues
        Chantfable-Blues
    Das Epos, der Held und die Sänger
    Das Areal der Epik und die Ependerivate
    Die musikalische Seite der Epik und ihrer Derivate
    Die Entstehung des Blues
XII.    BEAT CONTRA CLAVE
    Das Areal der additiven Rhythmik
    Die Claves in Amerika
    Die Verhältnisse im westlichen Europa
    Von den Claves zum Beat
XIII.    KLEZMER
    Die Musik der Juden in Osteuropa
    Von der Zurna zur Klarinette
    Annäherung an den Jazz
    Klarinette und Saxophon »weiß«
XIV.    HIN ZUM JAZZ
    Die primäre Bedeutung des Wortes »Jazz« und der Kult der Natürlichkeit
    Ein Name auf der Suche nach seiner Geschichte
    Was spielten die »ersten« Jazzmusiker?
XV.    SCHLUSS

Bibliographie
Diskographie
Sachregister
Namensregister
Summary